DES "Elisabeth Schulte"

 

Meine Anmusterung

 

Als ich im Mai 1969 als Bordelektriker (im Seemannsdialekt kurz „Blitz“ genannt) auf der „Elisabeth“ anmusterte, geschah dieser mein ganzes späteres Leben extrem einflussende Schritt aus heiterem Himmel und daher eigentlich völlig überraschend. Ich fuhr zu dem Zeitpunkt noch als Elektriker auf einem zivilbesetzten Marineschlepper und Eisbrecher, strebte allerdings einen Wechsel zur Handelsmarine an. Eine diesbezügliche Anfrage bei der Reederei Schulte & Bruns, damals noch in Emden angesiedelt, wurde nach drei Tagen mit einen Telegramm beantwortet: „Schnellstmöglich einsteigen auf DES „Elisabeth Schulte“ in Ijmuiden, Niederlande“.

 

Nach meiner Freigabe durch das zuständige Marinestützpunktkommando ging es von der Nordseeinsel Borkum aus mit dem nächstmöglichen Lufttaxi nach Emden, mit der regulären Fähre hätte es zu lange gedauert, und hin zum Personalbüro der Reederei, Seefahrtsbuch abholen, was auch alles zügig über die Bühne ging.

Natürlich war ich hier daran interessiert, mehr über das mir noch völlig unbekannte Schiff zu erfahren. Die Antwort des Personalchefs „Charly“ fiel kurz und knapp aus:“’n moie Schipp, veer Joahr old un tien.“ („Ein schönes Schiff, vier Jahre alt und zehn. mit anderen Worten: 14 Jahre alt).

 

Nach Aushändigung der Seefahrttauglichkeitsbescheinigung –ging ebenfalls im Eiltempo vonstatten- stieg ich in den Zug nach Amsterdam, um gegen Mitternacht meinen Zielhafen Ijmuiden zu erreichen.

 

Große Überraschung an Bord, als ich mitten in der Nacht dort aufschlug, wurde aber ganz herzlich empfangen.

 

Zeitlich gesehen hat mein Umstieg vom zivilen Einsatz bei der Bundesmarine zur „Christlichen Seefahrt“ keine 24 Stunden gedauert inklusive Entscheidung, Kofferpacken für unbekannte Einsatzzeit und –orte und für alle Wetterbedingungen (mehr als zwei Koffer waren ohnehin nicht möglich!), alle bürokratische Abläufe, Untersuchungen und Reisezeiten.

 

Eine stramme Leistung, wenn man die Widrigkeiten der damaligen Reiseverbindungen bedenkt. Aber die Reederei und auch das Marinestützpunktkommando haben da wohl mächtig mitgeholfen!

  

Bild 1 - Die "Elisabeth Schulte" im Hafen

 

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Text: Willi Tebben

Foto: Günter Platzer (Bild 1)


 

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