DES "Elisabeth Schulte" - Freizeitgestaltung an Bord

 

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Nachdem wir auf Seite 1 einige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aufgezeigt haben, gehen wir nun etwas tiefer in das Freizeitangebot ein.

Zunnächst - welche Möglichkeiten hatten wir überhaupt?

An Bord gab es keine Disko, keine Stammkneipe, kein exklusives Restaurant, kein Kino, kein Radio und TV (hätte damals auf See sowieso nicht funktioniert), keinen Wald, keinen Biergarten, normalerweise auch keine Frauen, dafür aber viel Arbeit mit echten Herausforderungen für ganze Kerle, endlose Weite, echte Abenteuer, die kostenlose Möglichkeit ferne Länder zu bereisen, fantastische Sonnenuntergänge, schwere Stürme, damals noch lange Hafenliegezeiten, eine kleine und eigene in sich geschlossene Welt, eine internationale Besatzung und alles, was Seemann so braucht, vor allem Zeit in der Gemeinschaft!

Ja, wir sollen sogar eine Bordbibliothek gehabt haben. Leider bin ich nie in den Genuss gekommen, das Buch zu lesen. War immer ausgeliehen.

Außerdem hatten wir einen excellenten Hobbymaler als Chief, der nach und nach die gesamte Mannschaft auf Hartfaserplatte verewigte und somit auch für eine aktive Freizeitgestaltung sorgte.

 

Natürlich spielte das Skatspiel bei einigen Crew-Mitgliedern ebenfalls eine große Rolle.

 

Ein ganz besonderer Höhepunkt war das legendäre Kakerlaken-Rennen. Jeder, der etwas auf sich hielt, hatte einen der edlen Renner mit einigen Köstlichkeiten in einer Streichholzschachtel deponiert und trug diese ständig bei sich, so dass solche Rennen um eine Getränkerunde ganz spontan durchgeführt werden konnten. Dazu spannte man Bindfäden so über den Tisch, dass Bahnen entstanden. Das war erforderlich, weil die Cucarachas eigentlich alle gleich aussahen und kaum auseinander gehalten werden konnten. Alle Streichhölzschachteln wurden auf der einen Seite des Tisches jeweils vor der eigenen Bahn auf Kommando geöffnet und schon rasten die Kakerlaken mit einem Wahnsinnstempo los. Leider nicht immer in die richtige Richtung. Wenn doch, überlegten sie sich trotzdem irgendwann, dass sie eigentlich ganz woanders hinwollten. Nun lag es am Geschick des Kakerlaken-Eigners, ihn ohne Hilfsmittel wieder auf den richtigen Pfad und möglichst schnell ins Ziel zu bringen.

 

Natürlich kam immer mal wieder vor, dass dabei versucht wurde, mit unlauteren Tricks das Renngeschehen zu beeinflussen, z.B. mit einer glühenden Zigarette am hinteren Ende der Renn-Kakerlake einen Nachbrenner zu simulieren. Dann schossen die zwar ab wie eine Rakete, führte aber zur sofortigen Disqualifizierung des Renners und zu einer Strafrunde Getränke für den Halter.

Verständlich, dass es bei diesen Rennen immer hoch herging und die Renn-Kakerlaken daher auch besonders gehegt und gepflegt wurden.

 

Bild 1 - "Blitz" Willi im September1969 in Archangelsk nach der 3. Sitzung

Bild 2 - Ja, das sind Beinchen, was?

Bild 3 - ein echter Flitzer

 

Ich hatte das große Glück, bei der Auswahl der Renn-Kakerlaken immer aus dem Vollen schöpfen zu können.

 

Warum, können Sie hier nachlesen.

 

Aber ich handelte auch gerne damit, denn die Nachfrage war riesig!

 

 

 

 

Wird fortgesetzt!

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Text: Willi Tebben

Fotos: Willi Tebben (Bild 1)

Bild 2 - Wikipedia (By Lmbuga - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6835633)

Bild 3 - Wikipedia (Gary Alpertderivative work: B kimmel (talk) - American-cockroach.jpg, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11949468)


 

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