DES "Elisabeth Schulte"

 

Winterliche Sturmfahrt im Nordatlantik

 

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Bild 11

Bild 12

 

Unser schwimmender Untersatz machte mittlerweile irrsinnige und unberechenbare Bocksprünge. Wir merkten aber deutlich, dass sich das Schiff in seinen Bewegungen irgendwie anders verhielt als normal in Sturmfahrten. Das Achterschiff kam nach dem tiefen Eintauchen nicht mehr so richtig hoch!

 

Bild 13

 

Bild 14 - Auf die Bewegungen des Schiffs achten, gucken, wo der nächste Brecher ist, -reichts noch für einen Blitzstart mit 25-m-Spurt?- und ab ...

 

Bild 15 - ... denn im nächsten Moment sieht das dann schon

wieder so aus! Reichlich kalt, nass und lebensgefährlich!

 

Um jetzt über Deck zu kommen, musste man wahnsinnig schnell sein. Es ging nur noch an den Strecktauen über die Luken, aber so ein Spurt war trotzdem lebensgefährlich! Ohne wichtigen Grund begab sich keiner mehr in diese Gefahr.

 

Bild 16

Im Fahrstand des Maschinenraums erreichte uns einmal die seltsame telefonische Anfrage von der Brücke, ob wir eigentlich noch da wären. Die Antwort auf unsere verwunderte Rückfrage besagte, dass wir achtern wohl mehr unter als über Wasser fuhren. Laut Bild 16 waren wir demnach aber doch mal sichtbar!

Und der Sturm wurde immer stärker und die See ging immer höher!

 

Und so kam, was zwangsläufig irgendwann auch kommen musste:

 

Eine sehr schwere See drückte das Kombüsenschott (seemännisch für: sehr stabile Tür von der Küche zum Oberdeck) achtern so dermaßen ein, dass wir gezwungen waren, wegen dem ständigen Wassereinbruch die Stromzufuhr für die Kombüse (seeännisch für: Bordküche) abzuschalten.

 

Dadurch mussten wir leider für ein paar Tage auf warmes Essen verzichten. Die Stimmung war trotzdem immer noch gut, denn wenn wegen dem schweren Seegang auch nicht mehr so recht Wartungsarbeiten u.ä.durchgeführt werden konnten: wenigstens Kaffee konnte in der Pantry (seemännisch für: Teeküche, Anrichte) noch gekocht werden, wenn auch nur zu dritt.

 

Einer hielt die Kaffeekanne fest, einer den Filter und einer füllte heißes Wasser nach. Die andere Hand brauchte man, um sich irgendwo festzuhalten. Alles was nicht befestigt werden konnte musste eisern festgehalten werden, sonst flog es durch die Gegend. Das galt natürlich auch für die Kaffekanne nebst Tassen. Trotzdem ging so manche Kanne über Stag  (= kippte um).

Bild 17 - Achtung! Brecher von hinten!

 

Bild 18

Bild 19

Bild 20

Bild 21

 

Jeder Brecher fegte jetzt gnadenlos über Decks und Luken, und irgendwann hielt die Steuerbord-Verschanzung unserer "Elisabeth" der ständigen Wucht des Wassers nicht mehr stand. Stück für Stück wurde das Schanzkleid weggerissen, trennte sich vor aber zunächst nicht vom Schiff und schlug bei jeder Bewegung und jedem Brecher an den Schiffsrumpf.

(Schanzkleid = laut Wikipedia eine Verlängerung der Außenhaut oberhalb des Oberdecks zum Schutz der auf dem Oberdeck tätigen Matrosen gegen Seegefahr)

 

... und jetzt geht es richtig los - auf unserer Seite 3

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Text: Willi Tebben

Fotos: Willi Tebben (Bild11, 12); Günter Platzer (Bild 13 - 16); Rainer Wagner (Bild 17 - 21)


 

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