"Elisabeth" und die Kakerlaken

 

In den Technischen Daten unseres Schiffes habe ich angegeben, dass die Besatzung der "Elisabeth Schulte" 24 Mann stark war. Nicht erwähnt habe ich dort, dass wir zusätzlich noch gefühlt eine Viertelmillion Kakerlaken beherbergten. Nageln Sie mich bitte nicht auf die Zahl fest, es können locker auch mehr gewesen und geworden sein, denn sie fühlten sich bei uns sauwohl und vermehrten sich aus diesem Grund fast schon explosionsartig.

 

Waren aber auch zu putzige und fröhlicheTierchen, denen man schon sehr frühzeitig professionell mit Giften und allen möglichen Tricks den Garaus machen wollte, weil so ganz ungefährlich waren die ja nicht, z.B. als Krankheitsüberträger. Ich denke mal, dass die Kammerjäger im Prinzip sehr erfolgreich gewesen sind. Wir hatten nämlich keine Ratten oder sonstiges Ungeziefer mehr an Bord, nur die Kakerlaken erfreuten sich immer noch bester Gesundheit, nahmen fröhlich am Bordleben teil, erfreuten uns mit ihren Spielchen und vermehrten sich ungemein. Da sie also mit uns ihren Lebensraum teilten, widmen wir ihnen auch einen eigenen Bericht:

 

Was ist überhaupt eine Kakerlake?

 

Der Deutsche Oberbegriff für die Kakerlake lautet Küchenschabe

Der Begriff Küchenschabe (auch Kakerlake, englisch cockroach, spanisch cucaracha) wird für eine Reihe von Arten der Schaben in der Familie der Blattidae verwendet. Diese Arten der Schaben leben überwiegend in menschlichen Behausungen und werden dort als Vorratsschädlinge betrachtet.

Alle Küchenschaben leben versteckt, sind vorwiegend dunkelheitsaktiv und meiden Licht. Da Schaben vergleichsweise sozial in großen Gruppen leben, ist ein Schabenbefall meist invasiv. Schaben bewegen sich durchweg laufend fort, und sind bekannt für ihre außergewöhnliche Geschwindigkeit.

 

Auszug aus Wikipedia - Urheberrechtsangaben:

(Von Lmbuga - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6835727)

 

Über Tag störten sie uns eigentlich gar nicht, aber nachts in wärmeren Gefilden konnten sie doch zur Plage werden. Die Kakerlaken krabbelten in der Dunkelheitüberall rum, auch kopfüber an der Decke. Sie hatten die unangenehme Eigenart, sich einfach fallen zu lassen, wenn sie unter sich eine Wärmequelle wie z.B. einen menschlichen Körper spürten.

Bild 1 - So sehen sie aus, die schnuckeligen quicklebendigen Tierchen, sie werden etwa 12 bis 15 mm lang

 

In wärmeren Zonen schlief man meistens sehr leicht bekleidet. Die kleinen Cucarachas kitzelten erbärmlich, wenn sie auf dem Körper herumkrabbelten. An Schlaf war dann nicht mehr zu denken. Insektenspray half da auch nur bedingt, denn wenn man die Viecher damit alle gekillt hätte, wäre die Kammer nicht mehr bewohnbar oder man selbst wäre hin gewesen.

 

Trotzdem nahmen wir so einiges in Kauf, denn die Kakerlaken halfen uns sehr bei der Freizeitgestaltung (s. auch hier!)

 

Und noch ein Phänomen ließ mich letztendlich zum absoluten Gegner von Kakerlaken werden. Während der winterlichen Sturmfahrt im Nordatlantik hatten wir ja bekanntlich einen Wassereinbruch in der Kombüse, die mich zwang, die Stromversorgung der Bordküche abzuschalten. (Näheres dazu finden Sie hier!)

 

Als ich die Leistungsschalter wieder einschalten wollte, war das nicht möglich, sie flogen sofort wieder raus. Mir blieb  nach der Feststellung, dass hier in allen drei Schaltern ein Kurzschluss vorlag, nichts anderes übrig als sie zu zerlegen. Unsere niedlichen Cucarachas hatten sich die kleinen Kabelkanäle in den großen Leistungsschaltern als Grabstätte für ihre verblichenen Artgenossen ausgesucht. Durch die eingedrungene Feuchtigkeit waren die Überreste nun für den Stromfluss leitend und erzeugten den Kurzschluss. Natürlich hatten die Kontakte durch den Lichtbogen der Kurzschlüsse ganz schön gelitten, so dass ich nun mächtig Stress bekam mit den Reparaturen unter Zeitdruck. Schließlich wollten wir endlich mal wieder eine warme Mahlzeit haben. So lernte ich nun auch die mir bis dato unbekannte Technik der Leistungsschalter und ihre Eigenarten kennen. Trotzdem schwor ich den Kakerlaken ewige Rache. Das ließ sich auch sehr schnell umsetzen.

 

Querschnitt Kakerlakenfalle

 

Die Kakerlakenfalle funktionierte folgendermaßen: verwendet wurde eine leere 5-Kilo-Kaffeedose, ein kleiner Rest des Kaffeepulvers bedeckte noch den Boden. Die Kakerlaken liebten diesen Duft heiß und innig, kamen in Scharen die Rampe rauf und fielen natürlich prompt in die Dose. Raus kamen sie nicht mehr, denn der Fettrand rund um die Dosenöffnung verhinderte dies. Man musste nur rechtzeitig die Dose über die Reeling entleeren, bevor die Füllung höher als der Fettrand war. Wir befestigten die Dose im Gemüse-Kühlraum, denn hier hielten sich die kleinen Krabbeltierchen besonders gerne auf. Aber egal, wieviele Dosen im Atlantik ausgesetzt wurden, kleiner wurde die Kakerlakenschar sichtbar nicht. Aber ich hatte wenigstens eine hervorragende Auswahl für's Kakerlakenrennen. Und wer nicht rennen wollte: Atlantik!

 

 

 

Wird fortgesetzt!


Text: Willi Tebben

Foto:

Bild 1: Wikipedia (Von Lmbuga - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6835727)

Zeichnung: Willi Tebben


 

Home

Impressum