Thema: Freunde der Seefahrt
 

Die Freunde der Seefahrt in Emden luden am 31. Mai 2013 im Maritimen Museum in der Emsstraße ein zur zweiten für jedermann offenen Gesprächsrunde rund um die goldenen Zeiten der deutschen Seeschifffahrt

Mitte des letzten Jahrhunderts.

 

Schwerpunkt dieses Forums: Die Geschichte des legendären Frachtschiffs MS "Dukegat" ex "Ursula Schulte" ex "Sachsenwald" ex norwegisches Motorschiff "Somerville" von 1929 bis 1969

 

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MS "Dukegat" - DHJX

Technische Daten:

4.289 BRT
7.840 tdw
Länge: 116,29 m
Breite: 16,37 m
Tiefgang: 7,18 m / 8,38 m - 10,97 m

Antrieb:
2 B + W Viertakt-Sechszylinder-Motoren mit zusammen 4.000 PSe
ab 1960:
2 x MAN G 10 V 40/60 mit zusammen 4.200 PSe bei 275/138 1/min

Geschwindigkeit: 10,5 kn

Stapellauf: 20.04.1929
Ablieferung: 01.07.1929 von Burmeister & Wain mit Baunummer 558 als "Somerville" an die norwegische Reederei Klaveness, Oslo.
Im 2. Weltkrieg unter alliierter Kontrolle.
1950 als "Sachsenwald" an HAPAG
1953 als "Ursula Schulte" an Schulte & Bruns
1966 umbenannt in "Dukegat"
1969 in Bremen registriert
1969 verkauft an die Dubai National Shipping Co., Dubai, umbenannt in "Mohammed Abbas"
...
weiterer Verlauf unklar, verschiedene, z.T. sich widersprechende Angaben

 

Bild 7 - MS "Ursula Schulte" August 1956 im Emder Hafen

Bild 8 - MS "Dukegat" ex "Ursula Schulte" im japanischen Hafen Osaka.

 

Bild 9 - Hier eine Heckansicht der Steuerbordseite.

 

Das Maritime Museum platzt mittlerweile aus allen Nähten, weit über 50 Personen sind der Einladung des Museum-Teams gefolgt und warten gespannt auf den offiziellen Start des Forums. Punkt 18 Uhr ist es so weit.

 

Nach einer kurzen Einführung in die abenteuerliche Geschichte und Vorstellung des Schiffes durch Peter Nauschütt geht es zunächst los mit einem Ausschnitt aus dem Film 'Kriegsreisen der MS "Somerville" von 1940 bis in die Nachkriegszeit 1946'. Während des 2. Weltkriegs war das damalige norwegische Frachtschiff unter alliierter Kontrolle, während der gesamten Zeit weltweit im Einsatz und hat alle Fahrten heil überstanden - ein wahrlich glückhaftes Schiff. 

 

Selbst die gestandenen anwesenden Seeleute, die fast alle irgendwann auf diesem legendären Schiff als Crewmitglied zum Einsatz kamen, sind mächtig erstaunt über die unglaubliche Fahrleistung der "Somerville" unter diesen extremen Bedingungen und über die Leistungsfähigkeit seiner norwegischen Besatzung!

 

Aber auch unsere Seeleute haben unendlich viel zu berichten über die Reisen, Häfen und Abenteuer während ihrer Anmusterung auf diesem Schiff, das während seiner Fahrzeit für die Emder Reederei Schulte & Bruns zunächst "Ursula Schulte" heißt und später in "Dukegat" umbenannt wird und noch später auch den Heimathafen Bremen erhält.

 

Bild 10 - Hoch konzentriert werden die Seereisen des Schiffes beobachtet.

Wir werden uns in den nächsten Wochen noch ausführlich mit den vielen bislang fast vergessenen Geschichten über das Schiff, die Besatzung, Seereisen, Häfen und Abenteuern beschäftigen, aufschreiben und hier veröffentlichen. Aber einen kleinen Überblick über die vielen an diesem Abend gehörten Anekdoten möchten wir Ihnen schon jetzt aufzeigen:

 

Bild 11

Wir erfahren die Namen für die meisten abgebildeten Seeleute auf den bis zu etwa 60 Jahre alten Aufnahmen, es gibt u.a. auch konkrete Hinweise, wie der eine oder andere Seemann angemustert wurde (hört sich manchmal verdächtig an wie das berühmt-berüchtigte "Shanghaien" , soll heißen offensichtlich nicht immer so ganz freiwillig!).

 

Da ist von Schmuggeleien die Rede, von langen Liegezeiten wegen Warten auf Ladung, langen eintönigen Seetörns, schweren Stürmen und Ladungsbrand, gravierende Ausfälle der Ladeeinrichtungen und lebensgefährliche Kabelschäden, unzulängliche Manövrierfähigkeit des Schiffes in kritischen Gewässern, überraschende Vercharterung im Bereich Ostasien wegen Sperrung des Suezkanals und ausgedehnte Landgänge in hochinteressanten Ländern.

 

Außerdem ist die obligatorisch Äquatortaufe ein umfangreiches Thema - von Versuchen, sich davor zu drücken und welche Folgen das hat.

 

Natürlich wird an Hand etlicher Fotos auch nachgewiesen, dass Durst schlimmer als Heimweh ist, wir erfahren, dass handbetriebene LKW-Scheibenwischer auf der Kommandobrücke für klare Sicht sorgen können, weil noch keine moderne Klarsichtscheibe vorhanden war, dass die lang ersehnte neue Radar-Anlage zu kostbar ist, um sie auch einzuschalten. Wir hören außerdem die erstaunliche Lösung des etwas abergläubischen Kapitäns, als er erfährt, dass die Kommandobrücke 13 Fenster hat. Anschließend waren es nur noch 12!

 

Und dann ist da noch die Geschichte im Emder Hafen, als fast die gesamte Besatzung auf Wochenendurlaub nach Hause ging (waren überwiegend Emder Seeleute an Bord, daher verständlich!) und die Bordwache an drei weiter entfernt wohnende Seeleute hängenblieb. Wär vielleicht nicht so schlimm gewesen, wenn nicht der alte Herd durch unsachgemäße Behandlung explodiert wäre. (Doch davon später mehr!)

 

Wir lernen die manuelle, aber wenigstens schon elektrisch betriebene Waschmaschine für die große Zeugwäsche kennen, erfahren, wie man während der Fahrt des Schiffes den verstopften Toilettenabfluss repariert, hören von mehr oder weniger schweren Unfällen an Bord, lernen mit Wasser betriebene Ladekräne kennen und dass man in schwerem Monsun-Regen keine Phosphat-Ladung löschen sollte.

 

Rettungsboote hatte das Schiff natürlich auch, sogar vier Stück an der Zahl! Aber leider nicht zu gebrauchen! Mehr dazu in einem späteren Bericht.

 

Auch die Seemannsliebe kommt nicht zu kurz, zum Beispiel in einem schwedischen Hafen. An Deck türmte sich wie üblich meterhoch die Koksladung. Darüber musste die nun liebliche, schick gekleidete holde schwedische Weiblichkeit nach achtern in die Mannschaftsunterkünfte geschmuggelt werden. Anschließend waren alle gleich schwarz.

 

Und so geht es Schlag auf Schlag weiter. Keine Zeit, die strapazierten Lachmuskeln mal ein wenig zu entspannen. Das Seemansleben ist ja von Natur aus eigentlich hart und entbehrungsreich, aus der Distanz von weit über einem halben Jahrhundert später sieht man aus seiner Vergangenheit eher die vergnügliche Seite des Bordlebens, das Negative wird schnell mal verdrängt. Man war jung, abenteuerlustig, man fuhr in seiner eigenen kleinen Welt rund um den Globus. Die Probleme, die an Land existierten, waren weit weg, und kleine Streiche und Aktivitäten belebten das eintönige Bordallerlei.

 

Die Erfahrungen und Erlebnisse, die an diesem Abend von den Zeitzeugen lebhaft, anschaulich und mit Sehnsucht in der Stimme vorgetragen wurden, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten umfangreich ausarbeiten und als Erinnerung für die Nachwelt festhalten. Die Fotos haben wir schon, der Rest kommt auch! - Anm. d. Autors

 

 

 

Bild 12 - ... "et löppt weer"

Bild 13 - Äquatortaufe

Bild 14 - Er hat es hinter sich!

Bild 15 - Sturm und sibirische Kälte (Murmanskfahrt 1966)

Bild 16 - aktuelle Position: Stuhl im Emder Museum, gedanklich ganz weit weg auf den Weltmeeren.

Bild 17 - Im Taifun

 

Mit der nun folgenden geheimnisumwitterten Geschichte wurde ich erstmalig im Jahr 1969 auf dem DES "Elisabeth Schulte" konfrontiert. Damals blieb der Hintergrund nebulös, alle bohrenden Fragen unsererseits wurden lediglich mit einem vielsagenden Lächeln beantwortet.

 

An diesem Abend des 31.05.2013 gelingt es uns jedoch nach 44 Jahren endlich, den Nebel um das Geheimnis zu lichten.

 

Wenn Sie nun wissen möchten, worum es da geht, klicken Sie bitte

hier!

 

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Text: Willi Tebben

Fotos: Paul Luitjens (Bild 7); Jan Behrends (Bild 8, 9); Willi Tebben (Bild 10, 16); Sievert Wolters (Bild 11); Rainer Wagner (Bild 12 - 14); Evert Theesfeld (Bild 15, 17)


 

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