Erinnerungsarbeit

 

Zu Bernhards Frahlings Bericht über seine Kriegszeit und seine Kriegsgefangenschaft 1945 in den Rheinwiesenlagern Miesenheim, Andernach, Sinzig und Remagen

 

 

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Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

 

der folgende Bericht lässt sich nur schwer direkt vom Bildschirm ausdrucken und und das Ergebnis ist auch nicht so, wie Sie sich das vielleicht vorstellen. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, den Text auf Ihrem Bildschirm zu lesen, schlagen wir Ihnen vor, eine komplette Druckvariante dieses Berichts herunter zu laden und dann auszudrucken. Wir haben zwei (natürlich kostenlose) PDF-Versionen für Sie zusammengestellt:

 

Version 1 - Normalschrift: Schriftart Arial; Schriftgröße 12 (Umfang 44 Seiten, Dateigröße 267 kB)

Version 2 - Großschrift: Schriftart Arial; Schriftgröße 16 (Umfang 68 Seiten, Dateigröße 280 kB)

 

Sie können diese Dateien direkt durch Anklicken des blauen Versionstextes oder von unserer Downloadseite herunter laden, benötigen zum Lesen und Drucken aber ein Programm, das PDF-Dateien anzeigen kann, z.B. Adobe Reader (kostenlos, im Original hier zu bekommen.) Beim Installieren jedoch unbedingt beachten, dass Zusatzprogramme mit installiert werden sollen, daher die entsprechenden Häkchen vorher entfernen, wenn nicht gewünscht! - Anm. d. Redaktion

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

Vorwort

 

 

Es besteht wohl kein Zweifel; Der wird die Gegenwart nicht recht verstehen und verantwortungsbewusst gestalten können, wer nicht auch die Vergangenheit - vor allem die Kriegsund Nachkriegszeit - kritisch in den Blick nimmt.


Mehr als sechzig Jahre sind seit Ende des Zweiten Weltkriegs verflossen. Die Zahl der Augen- und Ohrenzeugen ist altersbedingt stark zurückgegangen. Insofern kommt den noch lebenden Zeitzeugen, vor allem denen, die bereit sind öffentlich über das Geschehen damals zu sprechen, eine besondere Bedeutung zu.


Die zeitliche Distanz zu den grauenvollen Ereignissen damals ist beträchtlich. Aber viele der Zeugen benötigen gerade diesen Abstand, um die innere Kraft aufzubringen, das lange im Innern verborgene, unfassbar scheinende, traumatische Erleben auszusprechen oder gar aufzuschreiben. Meist muss noch ein besonderer Auslöser hinzukommen.


Das alles trifft auf Bernhard Frahling und seinen nun maschinenschriftlich vorliegenden Bericht zu. Der Bericht gliedert sich in zwei Teile: „Jugend ans Gewehr - und ab in den Krieg" sowie „Dem Massengrab in allerletzter Sekunde entronnen".

 

Dem sind ein Nachwort, die Auflistung der körperlichen Folgeschäden, Briefe und Foto-Dokumente hinzugefügt, welche die Authentizität seiner Darstellung bezeugen. Die Vielfalt der erinnerten Details erklärt sich auch dadurch, dass Bernhard Frahling nach dem Krieg Jahr für Jahr die Stätten seines Leidens aufgesucht, sich den andrängenden Erinnerungen ausgesetzt und darüber Notizen gemacht hat, ohne sie allerdings an die Öffentlichkeit bringen zu können, bis er in den neunziger Jahren einen seiner beiden Lebensretter, den Wiener J. P. Czerny, ausfindig machen konnte und von ihm das gemeinsam Erlebte sowie vieles aus dem Umfeld der amerikanischen und französischen Gefangenenlager in den Rheinwiesen zwischen Remagen und Andernach detailgetreu bestätigt bekam.


Dass er nun mit achtzig Jahren endlich zusammenhängend schriftlich sich äußert, hat er selbst als eine Art Befreiung erlebt, Befreiung in doppeltem Sinne: ein Freigeben des furchtbaren Erlebens am Ende des Krieges und vor allem in den Gefangenenlagern nach dem Krieg - was ihm in der Nachkriegszeit weder in seiner Familie möglich erschien noch in der deutschen Öffentlichkeit opportun war, zum andern eine Befreiung im Hinblick auf die innere Verpflichtung, den durch Hunger, Durst, Seuchen und vielfältige brutale Misshandlungen dahingerafften ehemaligen Kameraden eine Stimme zu geben.


Man spürt die tiefe Erschütterung, den Abgrund der Betroffenheit in jeder Zeile des Berichts, bis in das Hinausgreifen über die gewohnte Zeichensetzung.


Bernhard Frahlings Bericht zu lesen, ist eine große, wenngleich notwendige Anstrengung. Gerade die Nachgeborenen, vom Kriegserleben Verschonten haben sich eingerichtet mit z.T. geglätteten Vorstellungen und Urteilen über Schuld und Bestrafung der Deutschen, über das Verhalten der Sieger sowie über den Prozess des Neubeginns in Deutschland nach dem Krieg. Daran wird hier gerüttelt.

Der Leser gewinnt Einblick in ein kaum vorstellbares grauenvolles Szenario um einen noch Jugendlichen (17 Jahre alt), der nach Kriegsende in verschiedenen amerikanischen, später französischen Gefangenencamps einer Kette von unsagbaren Entbehrungen, Leiden, körperlichen und seelischen Zerstörungen durch Hunger, Durst, tödliche Seuchen, entehrende Misshandlungen ausgesetzt ist, bis an die Grenzscheide zwischen Leben und Tod, welche nur (wie er selbst sagt) durch "Fügung Gottes" nicht überschritten wird. Dem Erleidenden kommt über Wochen, Monate nicht nur das Zeitgefühl abhanden, es fehlt auch an jeglicher Einsichtmöglichkeit in Ursachen und Hintergründe für die - erkennbar gesteigerte - Unmenschlichkeit in der Behandlung durch die Lagerbewacher.

 

Aber nicht rationales Einordnen und Durchschauen des Geschehens ermöglichen ihm das Überleben, sondern ein ursprunghafter, instinktgeleiteter Durchhaltewille. Im Nachhinein findet der Berichtende noch weitere Motive für das Gelingen des Überlebenskampfes: seine Jugend und die damit gegebene gute körperliche Grundverfassung, die Wut über die - allen internationalen Konventionen über die Behandlung von Gefangenen Hohn sprechenden -Verhältnisse in den Lagern, vor allem aber sein tiefer Glaube an Gott und dessen „Schutzengel" auf der Erde. Das erklärt letztlich auch, warum der Bericht bei allem grauenvollen Dunkel doch auch - wenngleich sehr wenige - Fünkchen von Licht enthält.


Bei der Erinnerungsarbeit geht es Bernhard Frahling nicht nur um sich selbst, seine persönlichen traumatischen Verletzungen, sondern er empfindet eine tiefe Verpflichtung gegenüber den Tausenden von Mitgefangenen, die den Torturen nicht standhielten und zu großen Teilen ungenannt und unregistriert in Massengräbern verscharrt worden sind. Sein nicht nachlassendes Suchen und Nachforschen muss angehen gegen die von den Siegern offenbar systematisch betriebene Geheimhaltung der furchtbaren Bedingungen in den Gefangenencamps wie auch gegen die dadurch mitbedingte und damit verbundene Mauer des Schweigens und Vergessens in der deutschen Nachkriegsbevölkerung selbst. Bernhard Frahling will die Wahrheit an den Tag bringen, überprüfbares sicheres Faktenwissen, gerade in Bereichen, die dem kollektiven Erinnerungsauftrag nur schwer zugänglich oder gar verborgen sind.


Was Bernhard Frahling in den Jahren 1942 - 1945 erleben und erleiden musste, kann der Leser nicht annähernd nachempfinden. Seine Erinnerungsarbeit jedoch ist für die Nachwelt unersetzlich. Dafür sei Bernhard Frahling gedankt. Die vorliegende Dokumentation verdient unsere Wertschätzung.


Ibbenbüren, den 29. Januar 2008


Heinrich Jessing

 

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Text: Heinrich Jessing


 

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